Montag, August 14, 2006

noch 14. August

Und auch heute spiele ich wieder Reklameonkel für die taz. Sie hat es momentan verdient.

So äußert sich in der aktuellen Ausgabe Stefan Reinecke treffend zum Fall Grass: „Unfassbar, schreiben manche, atemlos vor Empörung. Es hagelt Ausrufezeichen und moralische Superlative. Je jünger die Kommentatoren sind, desto markiger fallen die Urteile aus. Doch wenn man den Fall ohne Ausrufezeichen betrachtet, schrumpft der Skandal.“ In der Tat: Offenbar macht es manchen Leuten nichts leichter als über sechzig Jahre Abstand, damit sie sich noch nachträglich zu tapferen Widerständlern gegen Hitler phantasieren. Und im Vergleich zu solchen Größenphantasien wirkt der reale 17jährige Grass natürlich eher mau.

Im Interview ist außerdem Friedrich Küppersbusch. Ein Auszug:

taz: Der Krieg im Libanon geht im TV weiter. Die Berichte sind proisraelisch, sagen die Kritiker Israels. Die Berichte sind antiisraelisch, sagen die anderen. Wer hat Recht?

Küppersbusch: Angriffe auf UN-geschützte Flüchtlingskonvois, Nichtgenehmigung von Rot-Kreuz-Transporten, Angriff auf UN-Stützpunkt, zivile Opferzahlen - diese Fakten sind auch von israelischer Seite unbestritten. Das Handwerk fordert, Meldungen mit mehreren, von einander unabhängigen Quellen belegen zu können. Dabei gelten Fakten, die die gegeneinander Krieg führenden Parteien bestätigen, als sicher. Mehr ist dazu aus journalistischer Sicht nicht zu sagen. (...)

taz: Müsste die Bundesregierung Israels Kriegsführung nicht offiziell kritisieren - anstatt sich in der EU gegen eine Verurteilung Israels zu sperren?

Küppersbusch: Eine solche israelkritische deutsche Haltung laut auszupoltern halte ich für kein Problem in zwei-, dreihundert Jahren.

Na, das ist doch beides trefflich auf den Punkt gebracht.